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Die Einschränkungen der neuen Düngeverordnung mit Zwischenfruchtanbau kompensieren?

Die Bundesregierung hat der EU-Kommission offiziell den Entwurf der Düngeverordnung (Dünge-VO) zur Notifizierung vorgelegt. Wenn es keine Einwendungen seitens der EU-Kommission und des Bundesrates gibt, ist mit einem Inkrafttreten zu Beginn 2017 zu rechnen.

Ein Bericht von Helmut Döhler, Döhler Agrar, landwirtschaftliche Unternehmensberatung.

 

Die wichtigsten Regelungen in Kürze:

 

Mehr Lagerraum für organische Dünger

Erstmals wird die Lagerkapazität für organische Dünger bundeseinheitlich geregelt. Für flüssige Wirtschaftsdünger muss diese mindestens 6 Monate betragen. Tierhaltende Betriebe mit mehr als 3 GV/ha und tierhaltende Betriebe ohne eigene Verwertungsflächen müssen generell über Lagerraum für 9 Monate verfügen.

Anforderungen an Ausbringtechnik

Nachdem die jetzige Dünge-VO seit dem 01.01.2016 nur noch nach unten abstrahlende Prallteller ermöglicht, werden mit dem Neuentwurf ab 2020 auf bestellten Ackerflächen (für Grünland ab 2025) bandförmige Ablage oder Einarbeitungstechniken vorgeschrieben. Die Breitverteilung (Prallteller) ist nur noch auf unbestellten Ackerflächen mit nachfolgender Einarbeitung erlaubt.

Begrenzung von Ausbringmengen

Nach der Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum 31. Januar sollen grundsätzlich keine stickstoffhaltigen Düngemittel mehr aufgebracht werden dürfen. Ausnahmen bilden nur Winterraps, Zwischenfrüchte, Feldfutter und Wintergerste bei Getreidevorfrucht.

Die Vorgaben für die N- und P-Dünger-Bedarfsermittlung werden strenger und einheitlicher. Auch für Feldfutter und Grünland muss diese Bedarfsermittlung vorgenommen werden. Grundlage hierfür ist ein in der Dünge-VO gelistetes Ertragsniveau und ein hierfür erforderlicher Nährstoffbedarf.

Die bisher gültige, grundsätzliche Begrenzung der Ausbringmenge von 170 kg N/ha mit Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft wird auf alle organischen und organisch-mineralischen Düngemittel ausgeweitet, somit fallen auch Gärreste jedweder Herkunft unter diese Regelung.

Für die oben genannten Kulturen, die im Herbst noch gedüngt werden dürfen, gilt eine grundsätzliche Begrenzung der Menge von 60 kg N/ha Gesamtstickstoff sowie von 30 kg N/ha Ammoniumstickstoff. Auch darf bei früher Ausbringung auf nachts gefrorenem und tagsüber aufgetautem Boden nur noch eine maximale N-Gabe von 60 kg/ha verabreicht werden.

Nährstoffvergleich und -saldo

Mit dem Jahr 2018 wird der maximal zulässige Stickstoffüberschuss von bislang 60 kg N/ha auf 50 kg N/ha gesenkt.

Konsequenzen, Zwänge und Anpassungsmöglichkeiten

Zunächst erhöht die Dünge-VO den Druck auf die Verbesserung der Nährstoffeffizienz, vor allem für den Stickstoff aus Wirtschaftsdüngern wie Gülle, Mist, Geflügelkot und Gärresten. Marktfruchtbetriebe dürften verhältnismäßig wenige Probleme mit den Änderungen haben.

Tiefe Einschnitte sind für Tierhalter (und Biogasanlagenbetreiber) durch die Begrenzung der Düngemengen zu erwarten. Diese Betriebe haben ihr Konzept auf hohen Zukauf an Gärsubstraten und Futtermitteln bei knapper Fläche ausgerichtet und wirtschaften bereits an der Grenze der Vorgaben der bisherigen Dünge-VO. Gülle oder Gärreste müssen dann aus dem Betrieb exportiert werden (Transporte von Gülle, durch Teil- oder Vollaufbereitung). 

Aber auch Betriebe, die über ausreichend Flächen für Wirtschaftsdünger verfügen, müssen sich umstellen. Die Begrenzung der Ausbringmengen im Herbst zwingt zunächst zur vermehrten Ausbringung in den Frühjahrsmonaten. Das Zeitfenster für die Ausbringung im Frühjahr wird enger, weil die verfügbaren Feldarbeitstage begrenzend wirken. Gleichzeitig steigt die Gefahr für Pflanzenschäden und Bodenverdichtungen. Dieser Spagat ist eigentlich nur mit hochangepasster Technik mit bodenschonenden Fahrwerken zu schaffen.

Der zulässige N-Saldo von 50 kg kann vor allem für viehhaltende Betriebe zum Problem werden. Wie bei allen Betrieben - hier besonders - ist die erhöhte N-Effizienz das Schlagwort. Zur Vermeidung von Ammoniakverlusten müssen konsequent die bekannten Minderungstechniken eingesetzt werden. Bei der Düngung von Wintergetreide im Frühjahr kann entweder zu sehr frühen Terminen (nasskalte Witterung, niedrige Temperaturen, gut durchfeuchtete oder womöglich leicht überfrorene Böden) mit Schleppschlauch oder bei höheren Temperaturen mit der Schlitztechnik ausgebracht werden.

Der Silo- und Körnermais wird auch unter den Vorzeichen der neuen Düngeverordnung der wichtigste Wirtschaftsdüngerverwerter bleiben. Wird der Wirtschaftsdünger direkt eingearbeitet sind Mineraldüngeräquivalente von 80 bis 90 % erreichbar. Erhebliches Potenzial bietet im Mais das Strip-Till-Verfahren. Die Ausbringkosten sind zwar hoch, jedoch garantieret das Verfahren höchste N- und P-Effizienz und macht den Einsatz von Unterfußdüngern überflüssig.  

Durch die Verengung der Ausbringzeiträume im Herbst ergibt sich konsequenterweise der Zwang zur Ausweitung des Ausbringfensters in spätere Entwicklungsphasen von Getreide und Mais, eine organisatorisch interessante Alternative ohne deutliche Mehrkosten. Voraussetzung dafür sind Fahrgassen, die im Mais zwar (noch) ungewöhnlich, aber machbar sind.  

Alternative zur Frühjahrsausbringung: Zwischenfrüchte und Zweitfrucht-Nutzung

Neben technischen Anpassungsmöglichkeiten sind auch solche betriebsorganisatorischer Art  über die Veränderung der Fruchtfolge denkbar: Wenn ein Teil des Maisanbaus durch eine Biomassedauerkultur (z. B. Hirschgras) ersetzt wird, eröffnet sich ein viel weiteres und flexibleres Zeitfenster für die Gülleausbringung in den Herbst hinein und im zeitigen Frühjahr. In Verbindung mit der Nutzung von Agrar-Umwelt-Maßnahmen kann sich das kostenneutral auswirken. 

Bei dem Ziel der Wirtschaftsdüngerausbringung im Herbst ausbringen, spricht vieles für den Anbau von Zwischenfrüchten: so kann die schlagkräftige und emissionsarme Technik mit unmittelbarer Einarbeitung weiter genutzt werden, die Güllelager werden „entlastet“ und selbst zwischen einer Stoppelweizenfruchtfolge lassen sich schnellwachsende und schnelldeckende Zwischenfrüchte (und Zwischenfruchtmischungen) etablieren. Innerhalb von 4 - 6 Wochen Vegetationszeit können so die 30 kg Ammoniumstickstoff entsprechend der neuen Dünge-VO in Biomasse umgesetzt werden. Die so erzeugte Biomasse fördert Bodenleben, Bodenstruktur und Humusaufbau, sorgt durch die Schattengare für einen schnelleren Ab-, und Umbau von Stroh und somit für weniger phytosanitär bedingte Fruchtfolgekrankheiten. Trotz der kurzen Spanne zwischen Ernte und Aussaat der Hauptfrucht ist das möglich. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:  

  • Direkt nach der Ernte wird Gülle oder Gärrest ausgebracht, innerhalb einer Stunde eingearbeitet (max. 4 Stunden sind zulässig) und dann die Zwischenfrucht gedrillt.
  • Nach der Getreideernte wird der Boden sofort bearbeitet und die Zwischenfrucht in den restfeuchten Boden gedrillt. Der Wirtschaftsdünger muss nicht zwingend vor der Saat ausgebracht werden. Wichtiger ist die schnelle Etablierung der Zwischenfrucht. Auch bei einer Wuchshöhe von 10 cm kann dann mit Schleppschläuchen oder Schlitztechnik emissionsarm gedüngt werden.   

In Energie-Fruchtfolgen kann der Anbau von Wintergersten-GPS Platz für Gülle- und Gärrestdüngung schaffen. Bei gleichzeitiger Unter-, oder Beissat im Herbst, kann in der Folge wieder früh organische Dünger ausgebracht werden.

Allgemein ermöglichen Zweit-und Mehrfruchtnutzung die mehrmalige Ausbringung von Wirtschaftsdüngern und helfen damit den Druck der Düngeverordnungsregeln zu mindern.

Zusammenfassung

Die Verordnung enthält, auf Druck der EU, massive Einschnitte mit Begrenzung der Ausbringmengen, vor allem für Wirtschaftsdünger. Die Verwertung von organischen Düngemitteln über den Anbau von Zwischenfrüchten und GPS kann zur Entzerrung von Engpässen und Problemen beitragen.