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Analyse

Die Zusammensetzung unserer Grünlandbestände ist nicht zufällig, sondern das Ergebnis aus Standortbedingungen, Nutzungsintensität und Pflegemaßnahmen. Die Gründe für eine Verdrängung wertvoller Gräser, Leguminosen und Kräuter können vielfältig sein.

Eine Grünlandbewertung erfolgt in drei Schritten: Erkennen vorhandener und wertvoller Pflanzenarten, Bestimmung des Lückenanteils und Bewertung des Pflanzenbestandes. Dies ist die Basis für die Auswahl einer optimalen Pflegemaßnahme.

Bestimmung wertvoller und unerwünschter Arten

Wertvolle Gräser

Deutsches Weidelgras

  • FWZ 8
  • Ausdauerndes Untergras
  • Dichte Narbe, gute Trittfestigkeit und gutes Nachwuchsvermögen
  • Bei entsprechender Düngung Höchsterträge und 4–8 Nutzungen möglich
  • Nachsaatgeeignet

Kennzeichen: jüngstes Blatt ist gefaltet; glänzende Blattunterseite; roter Stängelgrund

Deutsches Weidelgras

Wiesenschwingel

  • FWZ 8
  • Im Frühjahr zeitig austreibendes Obergras
  • Winterhart
  • Rasches Nachwuchsvermögen nach Schnitt oder Beweidung
  • Nachsaatgeeignet

Kennzeichen: jüngstes Blatt ist gerollt; eingeschnürtes Blatt im oberen Drittel der Blattscheide; Blatthäutchen kaum vorhanden

Wiesenschwingel

Wiesenlieschgras

  • FWZ 8
  • Ausdauerndes Obergras
  • Besonders im jungen Zustand sehr schmackhaft
  • Hohe Erträge bei Schnitt und Weide
  • Sehr winterhart und widerstandsfähig gegen Kälte, Schnee und Nässe

Kennzeichen: jüngstes Blatt ist gerollt; Eckzahn am Blatthäutchen; keine Blattöhrchen

Wiesenrispe

  • FWZ 8
  • Ausdauerndes Untergras mit langen, kräftigen, unterirdischen Ausläufern
  • Dichte, trittfeste Narbe
  • Strapazierfähig, winterhart und trockenheitsverträglich

Kennzeichen: jüngstes Blatt ist gefaltet; dunkelgrüne Farbe; deutliche Kahnspitze des Blattes

Knaulgras

  • FWZ 7
  • Obergras für Mäh- und Weidenutzung
  • Zeitiger Austrieb im Frühjahr
  • Sehr hohe Erträge
  • Für intensive Nutzung auf trockenen Standorten

Kennzeichen: nicht gerieft; gräulichgrüne Farbe; keine Blattöhrchen; jüngstes Blatt gefaltet

Weißklee

  • FWZ 8
  • Ausdauernde Kleeart
  • Gute Anpassungsfähigkeit und Winterhärte
  • Tritt- und Vielschnittverträglichkeit
  • Rasches Nachwuchsvermögen

Minderwertige Arten

Ampfer

  • Konkurrenzstarker Platzräuber, Problempflanze
  • Wird von Rindern weder frisch noch konserviert gefressen
  • Wegen des hohen Samenpotenzials und der schnellen Samenreife sind schon Einzelpflanzen bekämpfungswürdig

Gemeine Rispe

  • Weit verbreitetes, ausdauerndes Untergras
  • Vielschnittverträglich
  • Verdrängt wertvolle Gräser
  • Für die Produktion von hochwertigem Grundfutter ist eine nachhaltige Bekämpfung notwendig

Kennzeichen: schmales, glänzendes Blatt, filzartiger Bestand; muffiger Geruch

Ein besonderes Problem - Ampfer und Gemeine Rispe

In sehr dichten, mit Ampfer, Gemeiner und Jähriger Rispe durchsetzten Grasnarben, sind kaum Erfolge durch die Nachsaat zu erwarten, sofern es nicht gelingt, diese Arten erheblich zu dezimieren. Diese Arten bilden – meist gemeinsam – derart dichte Narben, dass sich praktisch kein Saatgut neu etablieren kann. Schlimmer noch: Bei der Übersaat fällt kaum ein Samen durch den Grasfilz bis auf den Boden. Für die Keimung ist Bodenschluss aber zwingend nötig. Der Herbst ist ein idealer Zeitpunkt, um die besten Voraussetzungen für die Nachsaat im kommenden Frühjahr zu schaffen.

Die Gemeine Rispe hat sich in den vergangenen Jahren zum dominierenden Ungras im Grünland entwickelt.
Die Belämpfung ist schwierig. Eine einmalige Sanierung wird das Problem der Gemeinen Rispe nicht lösen. Die Unwägbarkeiten der Witterung sind bei der Nachsaat einfach zu groß. Daher muss über Jahre ein Grünlandmanagement aufgebaut werden, um die Gemeine Rispe in Schach zu halten. Dabei gehören regelmäßige, fast jährliche Über- oder Nachsaaten sicherlich zu Standardmaßnahmen.

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Bestimmung des Lückenanteils

Zur Ermittlung des Lückenanteiles messen Sie mit einem Zollstock eine Fläche von 40 x 40 cm an mindestens fünf zufällig ausgewählten und weiträumig verteilten Stellen der zu beurteilenden Grünlandfläche aus. Schätzen Sie nun mittels Auflegen Ihrer Handfläche in die Lücken deren Anteil. Ihre Handfläche bedeckt ca. 15 % des ausgemessenen Quadrats.

Bestimmung des Artenanteils

Treten Sie an drei charakteristischen Stellen Ihrer Grünlandfläche einen Kreis mit 5 m Durchmesser ab (entspricht etwa 20 m²). Schätzen Sie darin die Ertragsanteile von Gräsern, Kräutern und Leguminosen in Prozent, indem Sie diese gedanklich auf die einzelnen Kreisflächen umsortieren.

Welche Kreisfläche füllen die einzelnen Artengruppen aus?

  • Gerade = 50 %
  • Fadenkreuz = 25 %
  • Mercedesstern = 33 %

Analyseergebnis

Mit dem Ergebnis der durchgeführten Boniturmaßnahmen lassen sich folgende Maßnahmen ableiten:

Zustand der Narbe Empfohlene Maßnahme bei
ausreichend leistungsfähigen
Wirtschaftsgräsern: >40 % und gut im Bestand verteilt
unzureichend leistungsfähigen
Wirtschaftsgräsern: <40 % und schlecht im Bestand verteilt
I. Narbe nur lückig
Lücken bis  10 % etwas höhere N-Gabe nach
dem Schnitt (evtl. mit Übersaat)
- Übersaat von Teilflächen
- Nachsaat von Teilflächen
Lücken 10 - 20 % Übersaat Nachsaat
Lücken 20 - 30 %
II. Narbe lückig und/oder verunkrautet
1. 20 - 50 % Unkräuter
a) ohne hartnäckige Wurzelunkräuter,
wie Hahnenfuß, Vogelmiere und Hirtentäschel
Unkrautbekämpfung
(selektiver Herbizideinsatz) +
Nachsaat
- Unkrautbekämpfung
(selektiver Herbizideinsatz) +
Nachsaat
- Neuansaat von Teilflächen
b) davon max. 20 % hartnäckige Wurzelunkräuter, wie Ampferarten, Wiesenkerbel, Bärenklau und Wiesenknöterich - Unkrautbekämpfung
(selektiver Herbizideinsatz) +
Nachsaat
- Neuansaat
2. > 50 % Unkräuter
a) ohne hartnäckige Wurzelunkräuter, wie Hahnenfuß, Vogelmiere Unkrautbekämpfung
(selektiver Herbizideinsatz) +
Nachsaat
Grünlanderneuerung
(zumindest von Teilflächen)
b) > 20 % hartnäckige Wurzelunkräuter, wie Distelarten, Löwenzahn, Ampferarten, Wiesenkerbel, Bärenklau und Wiesenknöterich Grünlanderneuerung (zumindest von Teilflächen)
III. Narbe vergrast
1. mit jähriger Rispe - u/o Gemeiner Rispe oder anderen minderwertigen Gräsern
a) 20 - 50 %
Bei gleichzeitiger Verunkrautung mit Arten, die unter 1a) genannt sind, ist vor der Nachsaat ggf. eine selektive Unkrautbekämpfung zweckmäßig
Ungrasbekämpfung
(selektiver Herbizideinsatz) +
Nachsaat
- Ungrasbekämpfung (wenn möglich selektiver Herbizideinsatz) + Nachsaat
- mit Grünlanderneuerung von Teilflächen
b) > 50 % Grünlanderneuerung
2. mit Quecke
> 30 % Grünlanderneuerung