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Gastbeitrag zum Thema „Nachsaat als Erfolgsstrategie“

Die fehlenden Niederschläge von April bis in den Herbst haben in weiten Teilen Deutschlands zu massiven Trockenschäden, Ertragsausfällen und Lücken im Grünland geführt.

Hierzu ein Bericht von Wilhelm Wurth und Prof. Dr. Martin Elsäßer vom LAZBW.

Aktuelle Schäden auf Grün- und Weideland

 

Trockenstress und Dürre auf dem Grünland – den Folgen gegensteuern

Das Jahr 2018 wird uns noch länger in Erinnerung bleiben. In weiten Teilen des Landes gab es Trockenstress und auch Dürre vom Frühsommer bis in den Herbst hinein. Viele Pflanzen auf den Wiesen und Weiden sind verdorrt. Die Folgen sind nicht nur knappe Grundfuttervorräte für den kommenden Winter sondern auch die Frage wie erholt sich das Grünland wieder, damit in Zukunft weiterhin hochwertiges Grundfutter gewonnen werden kann.

Gräser, Kräuter und Leguminosen auf dem Grünland sind artspezifisch in aller Regel sehr regenerationsfähig. Nicht alle Pflanzen, die jetzt verdorrt sind, sind zwangsläufig tot. Selbst Pflanzen und Horste die zunächst vertrocknet aussehen, können bei entsprechenden Wachstumsbedingungen wieder austreiben. Dazu braucht es Wasser, Wärme und Licht.

Einige Landwirte haben noch im Spätsommer und Herbst, in der Hoffnung, dass es bald ausreichend regnet, versucht mit Pflegemaßnahmen wie Striegeln und Nachsäen ihre Grünlandbestände zu ver-bessern. Nicht überall hat der Niederschlag für die Keimung ausgereicht. Sind die Samen gekeimt, war die Gefahr allerdings sehr groß, dass die kleinen Keimlinge auch gleich wieder vertrocknet sind. Im Rückblick besser war es, wenn die Samen gar nicht erst gekeimt haben, denn dann sind sie im Frühjahr noch im Boden und können dann keimen und los wachsen.

Wo Mäuseschäden auftreten ist es sinnvoll umgehend gegen die Schadnager vorzugehen. Bei Feldmäusen ist es gerade im Winter oder im zeitigen Frühjahr gut möglich im Gangsystem verdeckt Giftweizen oder Köder abzulegen. Wogegen die Bekämpfung von Wühlmäusen deutlich schwieriger ist. Bei niedrigem Besatz ist die Bekämpfung noch mit Fallen machbar, bei stärkerem Besatz können Köder mit einem „Wühlmauspflug“ ausgebracht werden. Entscheidend wird sein die ersten Mäuse im Frühjahr zu bekämpfen, so kann im Frühjahr schon eine schnelle Vermehrung unterbunden werden. Gegen Engerlinge und Raupen in der Grünlandnarbe gibt es kaum Möglichkeiten der Bekämpfung. Der Einsatz von Nemathoden und Bakterien ist zwar möglich aber vergleichsweise teuer.


Was tun?

Wichtig wird es jetzt sein, dass Sie ihre Grünlandbestände im zeitigen Frühjahr, am besten gleich nach dem Ergrünen, kontrollieren.

Die Fragen die sie sich stellen sollten sind:

  1. Treiben die vertrockneten Pflanzen und Horste aus dem Vorjahr wieder aus?
  2. Gibt es Lücken ohne Pflanzen im Bestand?
  3. Haben sich bereits Unkräuter wie Stumpfblättriger Ampfer und Co in den Lücken festgesetzt?

Wenn die Pflanzen wieder austreiben und ein geschlossener Pflanzenbestand zu erwarten ist, besteht kein Handlungsbedarf. Finden sie Bestandslücken, dann sollten Sie deren Anteil auf der Fläche ab-schätzen. Das ist mit dem „Aulendorfer Lückendetektor“ leicht möglich. Sie messen eine Fläche mit 40 x 40 cm ab und legen ihre Handfläche in die darin enthaltene(n) Lücke(n). Bedeckt ihre Handfläche die Lücke(n) weist der Bestand einen Lückenanteil von ca. 15% auf. Hat ihre Handfläche mehrfach Platz erhöht sich der Lückenanteil entsprechend. Das wiederholen sie an mehreren Stellen der Fläche und kommen so auf ein repräsentatives Bild des Grünlandbestands.

Finden Sie 20% oder mehr Lücken im Bestand sollten Sie diese möglichst umgehend schließen damit nicht Unkräuter/-gräser den nunmehr vorhandenen Platz nutzen. Eine Nachsaat, am besten mit einem Schlitzgerät, soll in alle Lücken Samen ablegen und so die Eintrittspforten für Unkräuter/-gräser schließen. Dazu verwenden Sie am besten eine auf den Standort und ihre Nutzung abgestimmte Regelnachsaatmischung der staatlichen Beratung u.a. des Landes Baden-Württemberg, die Sie unter den Bezeichnungen NSI, NST, NSF und NSU kaufen können.

Eigentlich ist ein sehr früher Saattermin im Frühjahr eher ungünstig, denn im ersten Aufwuchs ist die Konkurrenz zwischen den Pflanzen am höchsten und Jungpflanzen haben vergleichsweise schlechte Voraussetzungen sich dieser Konkurrenz zu erwehren. Dennoch ist es wichtig die Lücken schnell zu schließen. Gibt es Gründe die gegen die Nachsaat im Frühjahr sprechen, sollten Sie den Bestand unbe-dingt nach dem ersten Schnitt kontrollieren und ggf. dann die Nachsaat vornehmen.
Wenn sich bereits Unkräuter/-gräser in den Lücken breit gemacht haben, ist es notwendig zusätzlich gegen diese vor zu gehen. Beispielsweise ist die Bekämpfung des Stumpfblättrigen Ampfers im Jung-pflanzenstadium noch deutlich effektiver, wie wenn er bereits eine große Wurzel als Reserveorgan angelegt hat.

War Gemeine Rispe in höherem Anteil im Bestand, kann man davon ausgehen, dass sie durch die Trockenheit stärker geschädigt wurde. Solche Bestände weisen dann hohe Lückenanteile auf. Da Gemeine Rispe sehr regenerationsfähig ist und mit ihren oberirdischen Ausläufern in der Lage ist, offene Stellen schnell zu schließen, ist es im Frühjahr 2019 besonders wichtig, möglichst schnell die Lücken durch gezielte Ansaaten zu schließen.

Ein letzter Tipp: Beschaffen Sie Saatgut für eine notwendige Nachsaat bereits jetzt. Aufgrund der hohen Nachfrage könnte es sein, dass die empfohlenen Nachsaatmischungen im kommenden Frühjahr knapp werden.

Prof. Dr. Martin Elsäßer, Willi Wurth
Landwirtschaftliches Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei
Baden Württemberg (LAZBW)
Grünlandwirtschaft Aulendorf