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Frostschutz nur fürs Auto? Sicher nicht! Auch Gras braucht Schutz durch Pflege und Nährstoffe

Im Herbst müssen Wiesen und Weiden auf den Winter vorbereitet werden. Entscheidend nach dem Dürrejahr 2018 sind, je nach Bestand an Gräsern und Kräutern, die Nutzungsintensität und die Höhe der Stickstoffdüngung. 

Vorbereitung des Grünlandes auf den Winter, Mäuseabwehr mit Sitzstangen

Durch längere Schönwetterphasen und überdurchschnittliche Temperaturen im Herbst 2018 stellten die Grünlandbestände ihr Wachstum nicht wie üblich ein, sondern wuchsen nach der letzten Nutzung nochmals weiter.

Damit die Bestände gut durch den Winter kommen sind eine Reihe von unterstützenden Pflegemaßnahmen durchzuführen:

Trittschäden oder Fahrspuren sollten vor dem Winter noch einmal mit der Schleppe oder besser dem Striegel beseitigt werden. So können sich im Herbst keine unerwünschten Gräser und Kräuter im Bestand etablieren und die Nachsaat/Einsaat wird optimal vorbereitet.

Regional nehmen bereits jetzt die Mäusebestände deutlich zu, was an der vermehrten Aktivität des Mäusebussards und anderer Greifvögel zu erkennen ist. Es gibt für den Landwirt verschiedene Möglichkeiten, diesem die Jagd auf die Schädlinge zu erleichtern. So kann man beispielsweise 4-6 Sitzstangen pro Hektar gegen die Hauptwindrichtung aufstellen. Ein einziger Mäusebussard kann am Tag bis zu 8 Mäuse fangen - dafür braucht er einen "guten Überblick". Das bedeutet keine zu hohen Grasbestände bei einer Stangenhöhe von ca. 2 Metern. 

Auswinterung vermeiden

Die Zusammensetzung der Mischung hat großen Einfluss auf die Überwinterung des Bestands, denn Arten und Sorten reagieren unterschiedlich auf tiefe Temperaturen. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Kälteverträglichkeit erblich bedingt ist. Sehr kälteverträglich sind etwa Wiesenrispe, -schwingel und -lieschgras sowie ausgewählte Weidelgrassorten wie Irondal oder Delika.

Die Wiesenrispe stellt im Winter das Wachstum ein und nimmt keine Nährstoffe mehr auf. Das Deutsche Weidelgras dagegen wächst auch in den kalten Monaten weiter, nur viel langsamer. Bei wechselnden Temperaturen besteht ohne genügend Kalium und Kalzium Auswinterungsgefahr. Durch Wachstum in wärmeren Perioden wird zudem der Kälteschutz abgebaut. Ist zu wenig Kali in den Bodenschichten, in denen die Nährstoffe aufgenommen werden, kann wenig Zucker (Glykol) gebildet werden und die Bestände sind stärker kahlfrostgefährdet.

Besonders beim Deutschen Weidelgras gibt es starke Sortenunterschiede in Bezug auf Kälteverträglichkeit. Einige Sorten sind sehr widerstandsfähig gegen Schneeschimmel und eignen sich daher sehr gut für schneereiche Standorte. Die Sorten in den Planterra Mischungen sind entsprechend ausgewählt und mit Bestnoten im Sortiment in der Überwinterungsleistung ausgestattet.

Kalken nicht vernachlässigen

Leider wird das Kalken oft stiefmütterlich behandelt. Bei Unterversorgung der Grünlandböden lässt sich das qualitative und quantitative Ertragspotenzial oft nicht hinreichend erschließen.
Alle vier Jahre sind regelmäßige Erhaltungskalkungen empfehlenswert, die Größenordnung reicht von 4 bis 8 dt/ha CaO.

Kalken ist grundsätzlich zu fast jeder Jahreszeit möglich. Wegen der geringeren Arbeitsspitzen sollte vorzugsweise im Spätherbst/Frühwinter, bei guter Befahrbarkeit der Böden, gekalkt werden.
Durch die hohen Radlasten sollte auch für die Regeneration des Bodengefüges genügend freier Kalk zur Verfügung stehen.  Kalk ist auf Grünland nicht nur ein Pflanzen-, sondern vor allem ein Bodennährstoff. So trägt Kalk als Mineralstoff über die Pflanze zur Gesunderhaltung der Tiere bei, es lässt sich der pH-Wert steuern. Zudem entwickeln sich wertvolle Kleearten oft nur in einem bestimmten pH-Wertbereich optimal.

Stickstoffgaben anpassen

Die Stickstoffdüngung ist, je nach Nutzungsintensität, ebenfalls essentiell für die Überwinterung. Eine hohe N-Düngung bedingt eine hohe Nutzungsintensität, denn hohe, ungenutzte N-Gehalte im Boden regen das Wachstum der Gräser zum Ende der Vegetation an. Dabei sollte der Bestand eigentlich in die Ruhephase übergehen. Die Reservestoffe in den Pflanzen können durch dieses späte Wachstum um bis zu 50 Prozent abnehmen. Im Winter und Frühjahr fehlen diese dann.

Wenn Gülle, Gärreste oder andere organische N-Dünger im Herbst gegeben wurden ist es besonders wichtig, die Kali- und Kalkgaben anzupassen um die Überwinterungsleistung übrig gebliebener oder jetzt neu ausgetriebener Pflanzen zu sichern.

Optimale Wuchshöhe sicherstellen

Wiesen sollten mit 7 bis 10 cm Wuchshöhe in den Winter gehen.

  • Je intensiver die Nutzung (Bestände mit Deutschen Weidelgräsern, Wiesenrispe und Weißklee), desto niedriger kann die Aufwuchshöhe sein. 
  • Je extensiver die Nutzung (klassische Heuwiesen mit Gold- und Glatthafer sowie Knaulgras), umso höher kann der Aufwuchs belassen werden.

Damit bleiben den Gräsern genügend Reserven, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Zusätzlich sind die Vegetationsanlagen, welche bei Horstgräsern 2 bis 4 cm über der Erdoberfläche liegen, ausreichend vor Frost geschützt und treiben im Frühjahr wieder rasch aus. Bei zu niedrigem Aufwuchs ist die Gefahr von Auswinterungen gegeben.

Bei einer Beweidung im Herbst sollte darauf geachtet werden, dass kein zu tiefer Verbiss erfolgt und genügend Restbestände auf der Fläche verbleiben.

In jedem Fall sollte ein Pflegeschnitt oder Mulchen des Bestandes noch rechtzeitig vor der Frostperiode erfolgen. 

Setzen Sie jetzt mit den richtigen Pflegemaßnahmen den Grundstein für einen gesicherten Wiederaustrieb Ihrer Grünlandbestände.

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